Mehr als 30.000 Studierende
1,000+ Bewertung ⭐⭐⭐⭐⭐
Empfohlen von Musictech, Keyboard Magazine & Electronic Musician

Synth-Tutorial: So erstellst du eine TB-303-Bassline

Der Synth, den wir heute nachbauen, ist etwas ganz Besonderes – er hat ein ganzes Dance-Musik-Genre inspiriert: Acid House! Der Roland TB-303 Bassline Synth.

Er ist ein extrem minimalistischer Synth mit nur wenigen Drehreglern, aber perfekt, um satte, große Synth-Patches zu erstellen, die wunderbar warm klingen. 

Originale TB-303 sind sehr teuer und selten. Die Emulationen sind deutlich günstiger (und klingen fast genauso) – können aber auch noch ganz schön ins Geld gehen. Deshalb lohnt es sich zu wissen, wie man den ikonischen Sound auf jedem Synthesizer nachbauen kann.

Es gibt viele analoge Synthesizer auf dem Markt, und das Beste daran: Sie sind alle unterschiedlich. Auf den ersten Blick mag das seltsam erscheinen, denn bei genauerer Betrachtung scheinen die meisten ähnliche Features zu haben. Und doch sind sie keineswegs identisch.

Mein Tal Bassline 101 hat nur einen Oszillator, nur einen Filter und nur eine Hüllkurve. 

Man könnte ihn mit jedem anderen Analog-Synth vergleichen, und viele würden sagen, sie seien kaum zu unterscheiden – doch wie bei echten Instrumenten hat jeder analoge Synth seine eigenen kleinen Eigenheiten. 

Sogar unterschiedliche Fertigungsserien desselben Synths klingen leicht verschieden – das liegt in der Natur von Analog!

Hier kommt das Geheimnis, um eine authentische TB-303-Bass-Imitation zu programmieren. Wir nutzen Logics ES1-Synth für dieses Tutorial, aber du kannst jeden subtraktiven Synthesizer deiner Wahl verwenden – egal ob Hardware oder Software.

So programmierst du den typischen 303-Acid-Sound

Die Parameter des ES1 in Logic. Quelle: Apple

So erstellst du den Patch:

Erstens: Lade den ES1 und stelle den Oszillator auf Sägezahn ein. Stelle den Oszillator-Mix nur auf den Haupt-Oszillator (nicht auf den Suboszillator). Die TB-303 hat keinen Suboszillator, sondern nur einen Schalter für Sägezahn oder Rechteck. Falls du möchtest, kannst du auch auf Rechteck umschalten.

Zweitens: Stelle den Oszillator-Range am ES1 auf 16′. 

Drittens: Achte darauf, dass die "Voices"-Einstellung des ES1 auf "Legato mode" steht und das Glide auf etwa ein Drittel seines Maximalwerts eingestellt ist.

Das ist eine extrem wichtige Einstellung: Wir müssen sicherstellen, dass keine Noten überlagert werden und wir frei zwischen den Noten gleiten können.

Im vierten Schritt: Stelle den ADSR auf sehr schnellen Attack (nicht sofort, aber knapp daneben reicht), setze Sustain auf null und Decay sowie Release auf etwa zwei Drittel.

Beim 5. Schritt: Sobald du den AMP auf "Gate R" gestellt hast, platziere eines der "Level via vel"-Dreiecke ganz oben und das andere auf etwa 2/3 der Höhe.

Sechstens: Stelle die ADSR-via-vel-Dreiecke des ES1 auf null und 2 Uhr, das Drive auf null und "Key" auf die Mitte zwischen null und 2 Uhr. Die TB-303 hat eigentlich einen 18-dB-Filter, aber der Filter des ES1 klingt in dieser Einstellung viel realistischer.

Siebtens: Die TB-303 hat keine andere Modulation außer ADSR. Um das nachzubilden, stelle "Analog" auf 100 % und beide Modulations-Fader auf null.

Wenn du deinen Synthesizer so einstellst, solltest du eine Annäherung an den TB-303-Sound aus deinen Boxen bekommen – aber das ist erst die halbe Miete: Du musst den ES1 auch wie eine TB-303 spielen, damit er wirklich nach Acid klingt.

Wichtig: Du wirst das nicht live spielen können, sondern musst ein Pattern manuell programmieren – ganz wie auf einem Roland-Sequenzer aus den frühen 1980ern.

Bassline-Pattern erstellen

  1. Mit dem Stift-Werkzeug (esc > Nr. 2) kannst du im Arrange-Bereich eine eintaktige Region erstellen, indem du einen Takt anklickst
  2. Jetzt hast du deine Piano-Roll erstellt. Öffne sie im Piano-Roll-Editor und zeichne mit dem Stift die Noten ein, die du spielen möchtest. Die Standard-Notenlänge ist ideal: eine Sechzehntelnote mit einer Anschlagstärke von 80.

Es gibt viele Möglichkeiten, Glides, Legato und Akzente einzusetzen, um das klassische Acid-House-Feeling zu erzeugen. Wenn man das geschickt macht, wird der Sound mehr als nur eine Abfolge von einzelnen Noten – er fängt an zu leben.

Die TB-303 kann das natürlich auch, aber die besten Patterns nutzen Glides, Legato und Akzente, um diesen klassischen Acid-House-Sound zu erzeugen. 

So geht's:

  1. Wenn du eine Note in die nächste "ziehen" willst, ziehe die rechte Ecke nach rechts, sodass sie die nächste Note überlappt. Dadurch wird verhindert, dass die Hüllkurve neu getriggert wird, und der ES1 gleitet zur Tonhöhe der neuen Note.
  2. Akzente auf deine Noten zu setzen ist der letzte Schliff. Das machst du mit dem Anschlagstärke-Werkzeug (esc > Nr. 9). Deine Noten haben aktuell Anschlagstärke 80. Um eine Note lauter und brillanter zu machen, klicke und ziehe sie nach oben, bis die Anschlagstärke 100 erreicht. Wie in alten Zeiten wird diese Note dann lauter und etwas heller klingen.

Feinschliff

Was die Performance der TB-303 angeht: Es kommt darauf an, wie du die Einstellungen am Synth anpasst. Experimentiere mit den Decay/Release-Einstellungen des ADSR, dem Filter Cutoff, der Filter Resonance und der Stärke der Filter-Modulation (durch Klicken zwischen den beiden Dreiecken kannst du den Fader bewegen). 

Das obere Filter-Dreieck kannst du anpassen, um die "Akzent"-Einstellung präzise nachzubilden. Du kannst auch den Attack am ADSR etwas hochziehen – auf etwa ein Viertel –, um einen realistischeren "Filter-Lag"-Sound zu erhalten. 

Echte TB-303-Kenner können jeder akzentuierten Note auch ein wenig mehr Resonance hinzufügen – das geht am einfachsten mit Automation. Der Schlüssel ist Subtilität.

Jetzt noch etwas Würze mit Effekten!

  1. Um den klassischen "überstrapazierter Preamp an einem billigen Mischpult"-Sound zu bekommen, brauchst du einen Bitcrusher – aber nicht für Downsampling, sondern stelle das Drive ein.
  2. Füge dem Pattern ein Ensemble hinzu, um es lebendig zu machen und ihm Bewegung zu verleihen.
  3. Du kannst dem ES1-Pattern einen extra Groove verpassen, wenn du einen Hauch Tape-Delay hinzufügst – das gibt diesen schrilleren Filter-Sweeps einen zusätzlichen Bounce und lässt alles großartig klingen.

Ikonische TB-303-Basslines nachbauen

Jetzt, wo du die Grundprinzipien verstanden hast, kannst du dir diese TB-303-Remakes anschauen und versuchen, sie selbst nachzubauen – alles nach Gehör. Probiere die Syntorial-Challenges aus, bevor du das Rezept liest!

Schreibe einen Kommentar